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Philharmonisches Staatsorchester Hamburg – gVe Konzert

19. Mai 2021 | 20:00 - 22:30

Mittwoch, 19. Mai 2021, 20 Uhr
Programmeinführung 45 Minuten vor Konzertbeginn
Heinrich-Lades-Halle, Großer Saal
Rathausplatz 1, 91052 Erlangen

Elbphilharmonische Klänge und Konzepte in Erlangen: Wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute kommt so nahe? Das künstlerisch aufwendige, aufführungstechnisch gigantische Programm wird wenige Tage zuvor in Hamburgs Elbphilharmonie gegeben. Die Bühne in Erlangen muss für dieses Konzert um 2 m erweitert werden, um alle 115 Musiker zu fassen.Ahoi! Auf an die nahe, fränkische Waterkant!

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Klaus Florian Vogt, Tenor
Kent Nagano, Leitung

Anton Webern
„Im Sommerwind“. Idyll für großes Orchester

Gustav Mahler
Lieder aus dem Zyklus „Des Knaben Wunderhorn“

Anton Webern
5 Stücke op. 10 für Orchester

Robert Schumann
Sinfonie Nr. 1 B-Dur op. 38 „Frühlings-Sinfonie“

Kent Nagano – jeder Kennt Nagano

Reisen gehört zum Beruf des Musikers, des Dirigenten allemal. Hamburgs Musikdirektor Kent Nagano ist Weltbürger, nicht nur was die Anzahl der Flugmeilen angeht, sondern auch in seiner geistigen Gesinnung: „Musik ist die beste Schule des Zusammenlebens. Klassische Musik ist eine Art zu denken, den Verstand zu gebrauchen. Sie eröffnet uns die Welt, in der wir leben. Dieses Tor (vor allem bei jungen Menschen) zu öffnen ist nicht so einfach, aber es zeigt den Weg in das Abstrakte und zu tiefgründiger Verständigung“, so das humanitäre Verständnis von Kent Nagano.

1951 in einem Fischerdorf Kaliforniens als Sohn eines Architekten und einer pianistisch tätigen Mikrobiologin geboren, gab es im Elternhaus der Naganos keinen Fernseher, keine Stereoanlage, kein Kino, dafür ein Klavier, welches mit täglich intensivem Musizieren das Familienleben bestimmte. Bis heute fühlt sich Nagano mit dem Meer und der Landschaft Kaliforniens verbunden. Die Kultur, das Kulturverständnis jedoch schätzt er an Europa. Paris ist seine Heimat. Dort leben auch seine Frau, die Pianistin Mari Kodama (sie war beim GVE in der Saison 2018/2019 mit ihrer Schwester Momo in einem Duoabend zu hören), und die Tochter. Am Herz lag Nagano aber auch die musikalische Leitung des „Orchestre symphonique de Montréal“. Reisen und Konzerte bei den Inuits in Kanada belegen Naganos tiefen Wunsch, alle Menschen, egal welcher Herkunft und Bildung an seiner Liebe zur Musik teilhaben zu lassen. Dies belegt auch ein bemerkenswerter Dokumentarfilm über dieses Projekt Naganos. Es geht beim Musikerleben darum, so Nagano, „über den Horizont hinauszusehen, und sei es nur für einen kurzen Moment.“

Nagano ist bekannt für seine ungewöhnlichen Programme und Dramaturgien. In München, wo der weltberühmte US-amerikanische Dirigent mit japanischen Wurzeln von 2006–2013 die Position des Generalmusikdirektors an der Staatsoper innehatte, wurde das zwar zunächst erwartet, dann jedoch bekrittelt. Die bajuwarische Hauptstadt wollte nicht so recht von ihrer „Glanzfolie“ ablassen. Zum Abschied bekam Nagano vom Orchester ein Wave-Board geschenkt. Seit 2015 „surft“ Nagano in den Gewässern um die Elbphilharmonie herum. Fünfeinhalb Monate pro Jahr ist er in der Hansestadt. Das Graue und Nasse sei für ihn ein Zuhause, so der 69jährige. Eine Aussage, die auf den ersten Blick verwundert, ist er doch am Meer Kaliforniens aufgewachsen. Zwar liebt er das Surfen, aber mit dem kalifornischen Beach-Boy-Klischee hat Nagano nichts gemeinsam (Interview aus der „Süddeutschen Zeitung“): „Ich komme aus einem Ort zirka 150 Kilometer weiter nördlich, dort ist es viel ungemütlicher und wilder. Wir schmierten uns Vaseline gegen die Kälte ins Gesicht. Der Pazifik vor San Francisco ist eiskalt, die Meeresströmung kommt aus Alaska. Es gibt dort nur Felsküsten und jede Menge weiße Haie“.

Vielleicht steht die Unberechenbarkeit jeder Welle symbolisch für Naganos Ausprobieren und rationalen Wagemut, geographisch und künstlerisch. Das vierteilige Programm beim gVe wird mit Anton Weberns frühem Meisterwerk „Im Sommerwind“ eröffnet. Keine Angst, es wird spätromantisch mit einer Musiksprache, die in der üppigen Partitur Richard Strauss, Reger, Mahler und Pfitzner summiert! Der 21jährige Webern setzte später nie mehr ein solch großes Orchester ein – mit sechs Hörnern, zwei Harfen, dreifachem Holz. Das wird organisatorisch in der Ladeshalle für das Viertelstundenwerk eine gewaltige Aufgabe. Sicher ist dies auch der Grund, weshalb Weberns „Sommerwind“ so selten im Konzert aufgeführt wird; in diesem Fall steht das Werk für die erste „Nagano-Welle“.

Mit Liedern aus „Des Knaben Wunderhorn“ von Gustav Mahler findet eine klangsinnliche Fortführung statt. Florian Vogt, bekannter und erfahrener Wagner-Tenor, übernimmt den Gesangspart. Es kommt zum starken Kontrast, wenn Weberns „Fünf Stücke für Orchester“ (op. 10), ein wahrer Klassiker der Moderne, auf die Musik Mahlers treffen. Das ist die zweite „Nagano-Welle“ dieses Programms. Mit Schumanns „Frühlings-Sinfonie“ gleiten wir dann aus dem Abend. Surfen Sie mit!

Text: Heiner Butt

Details

Datum:
19. Mai 2021
Zeit:
20:00 - 22:30
Veranstaltungskategorie:

Veranstalter

gVe – Gemeinnütziger Theater- und Konzertverein Erlangen e.V.
Telefon:
09131 86 22 52
E-Mail:
info@gve.de
Website:
www.gve.de

Veranstaltungsort

Heinrich-Lades Halle
Rathausplatz 2
Erlangen, 91052
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Website:
https://ekm-erlangen.de
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